Wie man eine Facettenklassifikation erstellt und diese ins Web bringt
(Teil 1 von 2)

How to Make a Faceted Classification and Put It On the Web
William Denton, November 2003
Übersetzer: Jan Jursa August 2005

Teil 1 von 2

Dieser Beitrag folgt auf Putting Facets on the Web: An Annotated Bibliography, und ist der zweite Beitrag, den ich für Professor Clare Beghtol von der Faculty of Information Studies der Universität Toronto schrieb, an deren Kurs „Applying Faceted Classification in an Online World“ ich teilgenommen habe.

0. Einführung

Facettenklassifikationen sind im World Wide Web zunehmend verbreitet, besonders auf kommerziellen Webseiten (Adkisson 2003). Das ist nicht überraschend - Facetten sind ein natürlicher Weg, Dinge zu organisieren. Viele Webdesigner haben sie wahrscheinlich unabhängig von einander entdeckt, indem sie sich fragten, „auf welche andere Weise würden Leute gerne diese Daten sehen? Was wäre ein anderer Weg es aufzuteilen?“ Ein Überblick der Literatur über das Anwenden von Facetten auf das Web (Denton 2003) zeigt, dass Bibliothekare es für eine gute Idee halten, aber unsicher sind, wie sie es umsetzen sollen, während sich Web-Fachleute, die es bereits machen, S.R. Ranganathans, der Classification Research Group und Jahrhunderte alter Geschichte hinter Facetten, nicht bewusst sind.  

Dieser Beitrag wird versuchen, diese Kluft zu überbrücken, indem Verfahren und Kniffe bei allen Schritten dargestellt werden, die bei der Erstellung von Facettenklassifikationen und deren Bereitstellung im Web relevant sind. Webleute werden von einem strengen Sieben-Schritte Prozess profitieren, dem sie folgen können, um eine Facettenklassifikation zu erstellen, und Bibliothekare werden davon profitieren, indem sie lernen zu verstehen, wie man solche Klassifikation auf dem Computer speichert und im Web verfügbar macht. Diese Veröffentlichung ist sowohl für Webmaster und Informationsarchitekten gedacht, die nicht viel über Bibliotheken und Informationswissenschaft wissen, als auch für Bibliothekare, die nicht viel über das Erstellen von Datenbanken und Websites wissen. Die Klassifikationen sind für kleine und mittelgroße Gruppen von Dingen gedacht, für öffentliche oder private Websites, bei denen der Bedarf besteht, Begriffe zu organisieren, die in keine vorhandene Klassifikation passen. Die Absicht dieses Beitrags ist es sicher nicht, zu zeigen, wie man eine weitere Universalklassifikation erstellt, noch zu beschreiben, wie eine Bibliothek, die ein facettiertes Klassifikationsschema benutzt, ihren Katalog online stellen kann.

Es gibt vier Hauptabschnitte in diesem Artikel: wann man eine Facettenklassifikation macht, wie man eine macht, wie man sie auf dem Computer speichert und wie man Sie im Web zum funktionieren bringt. Ich werde mich auf die mittleren beiden Abschnitte konzentrieren. Die Frage wann Facetten zu benutzen sind, ist nicht besonders schwer (generelle Fragen über Sinn und Nutzen von Klassifikationen außer Acht gelassen). Detaillierte Ratschläge über Design und Implementierung einer guten Website liegen außerhalb dieses Beitrags und verlangen eine begleitende Website mit Beispielen zum besseren Verständnis – ausgezeichnete Hinweise finden Sie bei Nielsen (2000). Im letzten Abschnitt biete ich einige Richtlinien an, was zu beachten ist, wenn man Facetten ins Web stellt, die Diskussion ist aber nicht sehr ausführlich. Die beiden mittleren Abschnitte über das Erstellen und Speichern einer Facettenklassifikation werden weitaus umfangreicher behandelt.

Was sind Facetten? Denken Sie an ein bekanntes Beispiel, Wein. Jeder Wein hat eine bestimmte Farbe. Er kommt aus einer bestimmten Gegend. Er wird aus einer bestimmen Art (oder einem Gemisch) Trauben hergestellt. Das Jahr seiner Weinlese ist bekannt. Eine bestimmte Qualität wird von den Zuständigen im Herstellerland garantiert. Er kommt in einem Behältnis mit einem bestimmten Volumen. Er hat einen Preis. Eine Liste mit allen Weinen könnte erstellt werden, aber sie wäre sehr lang und unhandlich. Im Web würde es bedeuten, seitenlang endlose Unterteilungen durchzuskrollen – schwierig zu benutzen und schwierig zu durchsuchen. Mit Facetten können wir eine handvoll Kategorien aufstellen, die – sich gegenseitig ergänzend – Weine vollständig beschreiben: Farbe, Herkunft, Traube, Jahr, Bezeichnung, Volumen, Preis. Jede Kategorie ist mit den entsprechenden Begriffen bestückt und angemessen organisiert. Dann wird jede Flasche durch Auswahl der richtigen Begriffe aus jeder Kategorie klassifiziert. Das ist facettierte Klassifikation: eine Gruppe gegenseitig eindeutiger und sich gemeinsam ergänzender Kategorien, jede durch Isolierung einer Perspektive des Gegenstandes entstanden (einer Facette), die sich zusammenfügen, um alle fraglichen Objekte vollständig zu beschreiben. Mit Hilfe dieser Facetten können Benutzer durch Suchen und Stöbern das finden, was sie benötigen.

Facetten und das Web ergänzen sich ausgezeichnet. Barbara Kwasnick (1999, 39) sagte: „Der Gedanke der Facetten beruht auf dem Glauben, daß es mehr als einen Weg gibt die Welt zu sehen, und dass sogar die Klassifikationen, die als stabil betrachtet werden, tatsächlich provisorisch und dynamisch sind. Die Herausforderung ist es, Klassifikationen zu bauen, die flexibel sind und neue Phänomene aufnehmen können“. Und nachdem sie erstellt worden sind, ist die Herausforderung, sie leicht handhabbar zu machen. Mit Hypertext und dem Web sind dynamische Sichten nur einen Mausklick entfernt. Facetten bilden ein multidimensionales Organisationsschema, und Webbrowser sind ein einfaches und bekanntes Werkzeug, um durch viele Dimensionen hindurch zu navigieren. Alle Vorteile von Facettenklassifikationen können im Web verwirklicht werden. Bevor wir allerdings diskutieren können, wie dies geschieht, müssen wir zunächst betrachten, wann Facetten zu benutzen sind.


1. Wann eine Facettenklassifikation zu erstellen ist

Kwasnick (1999) identifiziert vier klassifikatorische Strukturen: Hierarchien, Bäume, Paradigmen, und Facetten. Wenn eine der ersten drei brauchbar ist, benutzen Sie diese. Wenn ein anderes Ordnungsprinzip funktioniert – wie eine Zeitachse oder das Sortieren nach Größe – verwenden Sie es. Das Design der Klassifikation muss ihrem Zweck folgen, und verschiedene Dinge können unterschiedlich zu verschiedenen Zwecken klassifiziert werden, und unterschiedliche Strukturen erfordern. Wenn alle genannten Strukturen ungenügend erscheinen, betrachten sie Facetten.

1.1 Wann eine Facettenklassifikation nicht zu erstellen ist

Hierarchien und Bäume (stellen Sie sich eingerückte Listen vor) sind am besten, wenn die fraglichen Entitäten als eine Dimension der Klassifikation angesehen werden. Hierarchien teilen und unterteilen Dinge in Gruppen, wobei jede neue Gruppe eine Untergruppe ihrer Elterngruppe ist; alles, was auf eine Gruppe zutrifft, trifft auch auf ihre Untergruppen zu und so weiter (Kwasnick 1999, 25). Die Linne'sche Taxonomie der Lebewesen ist das klassische Beispiel dafür. Bäume haben im Gegensatz dazu keine Vererbungsregeln (Kwasnick 1999, 30). Beispielsweise, enthält Nordamerika Kanada, die Vereinigten Staaten, und Mexiko, und Kanada enthält zehn Provinzen und drei Territorien, aber Ontario ist nicht eine Art Kanada, und Kanada ist nicht eine Art Nordamerika.

Ein Paradigma ist eine zweidimensionale Klassifikation (stellen Sie sich ein Spreadsheet vor). Benutzen Sie Paradigmen, wenn es zwei unabhängige Aspekte zu berücksichtigen gibt. Kwasnick (1999, 35-36) verwendet das Beispiel von Begriffen, die Verwandtschaftsbeziehungen beschreiben, die in einem Gitter, mit dem Geschlecht (Mann/Frau) entlang einer Achse, und der Beziehung (Elternteil, Geschwister, die Geschwister des Elternteils) entlang der anderen Achse organisiert werden können. Das Vergleichen englischer und polnischer Begriffe für die verschiedenen Beziehungen zeigt, dass „Vetter“ vier verschiedene polnische Termini abdeckt, die das Geschlecht des Vetters oder welcher Seite der Familie er angehört, nicht ignorieren.

1.2 Wann eine Facettenklassifikation zu erstellen ist

Facetten können mit drei oder mehr Dimensionen der Klassifikation umgehen. Wenn es, zum Zwecke der Klassifikation, möglich ist, Entitäten durch drei oder mehr sich gegenseitig ausschließende und sich gemeinsam ergänzende Kategorien zu organisieren, dann sind Facetten wahrscheinlich die passende Klassifikation. Facetten können verwendet werden, um die gesamte Welt des Wissens oder die Kleidung in Ihrem Schrank – oder irgendetwas dazwischen – zu organisieren. Die Doppelpunktklassifikation von Ranganathan und die Bliss Klassifikation, die im folgenden Abschnitt besprochen werden, sind Universalklassifikationen. Wir werden auch Beispiele von einigen kleineren Klassifikationen sehen.

Kwasnick (1999, 40-42) verzeichnet mehrere Dinge zu Gunsten von Facettenklassifikationen: sie erfordern keine kompletten Kenntnisse der Entitäten oder ihrer Beziehungen; sie sind gastfreundlich (können leicht neue Entitäten aufnehmen); sie sind flexibel; sie sind ausdrucksstark; sie können ad hoc und flexibel sein; und sie ermöglichen, viele verschiedene Perspektiven bzw. Herangehensweisen in Bezug auf die so klassifizierten Dinge.

Kwasnick verzeichnet drei Hauptprobleme: die Schwierigkeit, die richtigen Facetten zu wählen; die fehlende Möglichkeit, die Beziehungen zwischen ihnen auszudrücken; und die Schwierigkeit, alles zu visualisieren. Die Auswahl der richtigen Facetten ist entscheidend, und erfordert gute Kenntnisse der zu klassifizierenden Objekte und der Benutzer, aber das trifft auf jede Sorte der Klassifikation oder Organisation zu. Der Mangel am Ausdruck von Beziehungen zwischen den Facetten ist ein Problem, das hier nicht behandelt wird. Wir werden annehmen, dass die Objekte den Benutzern gut bekannt sind und sie Beziehungen aus ihren eigenen Kenntnissen ableiten können. Die Schwierigkeit der Visualisierung betreffend bemerkt Kwasnick (1999, 42): „Informationstechnologie lässt auf neue, multidimensionale Visualisierungsmöglichkeiten und auf die Entwicklung computergestützter Wege hoffen, Muster und Anomalien zu entdecken, die vielleicht zu neuen Kenntnissen führen können.“ Wir werden sehen, dass das Web dieses Versprechen erfüllt.

1.3 Spülmittel Beispiel

Ein tatsächliches Beispiel wird helfen, die Prozesse und Prinzipien zu erläutern, die ich zeigen werde. Ich entschied mich als Domäne (wie wir den Satz von Dingen nennen, die klassifiziert werden sollen), einen kleinen Satz von handelsüblichen Produkten auszuwählen: Geschirrspülreiniger. Diese Domäne dient unserem Zweck aus einer Anzahl von Gründen: sie ist bekannt; sie ist ziemlich klein (obwohl größer, als man denken könnte, ohne Supermarktregale geprüft zu haben); die verwendete Sprache ist einigermaßen eingeschränkt; und, wie wir später sehen, dient es uns als ein gutes Beispiel, wie man eine kleine Klassifizierung auf eine größere ausdehnen kann.

Ich besuchte den größten Supermarkt in meiner Nachbarschaft und schrieb die Namen aller Reinigungsmittel aus den Regalen auf. Ich habe ihre Reihenfolge leicht umgeordnet, aber sie waren fast genau so einsortiert – beachten Sie die Klassifikationen des Supermarktes, um die Produkte dem Käufer zu präsentieren:

Geschirrreiniger, flüssig: Cascade Pure Rinse Formula; Electrasol lemon gel; No Name lemon gel; Palmolive spring blossom gel

Geschirrreiniger, Pulver: Cascade Complete; Cascade, fresh scent; Electrasol Double Action, fresh scent; No Name Premium Formula; No Name Premium Formula, lemon-scented; Sunlight Lemon Fresh

Gel: Electrasol Gelpacs, orange blossom

Tabletten: Electrasol tabs; No Name Premium Formula tablets

Flüssighandwaschmittel: Ivory Classic; No Name Liquid Dish Detergent, lemon-scented; Palmolive Aroma Therapy, Lavender and Ylang Ylang; Palmolive Aroma Therapy, Mandarin and Green Tea Essence; Palmolive Original; Palmolive Spring Sensations, Fresh Green Apple; Palmolive Spring Sensations, Ocean Breeze; Palmolive Spring Sensations, Orchard Fresh; Palmolive, antibacterial; President's Choice Antibacterial Hand Soap & Dishwashing Liquid; President's Choice Invigorating Aroma Therapy, Passion Flower; President's Choice Relaxing Aroma Therapy, Ruby Red Grapefruit; President's Choice Tough on Grease; Sunlight, antibacterial; Sunlight, lemon fresh

Der Einfachheit halber ignorieren wir die Größe und den Preis der Produkte. Unser Zielpublikum werden Konsumenten sein. Chemiker und Ingenieure, die mit Seifen und Haushaltsreinigungsprodukten arbeiten, würden anderen Bedarf haben und benötigten eine andere Klassifizierung. Im nächsten Abschnitt nehmen wir diese Artikel und bauen eine Klassifizierung, die ein Supermarkt benutzen könnte, Käufern zu helfen, das Reinigungsmittel zu finden und zu kaufen, welches sie haben wollen.

2. Wie man eine Facettenklassifikation erstellen kann

Dieser Abschnitt beschreibt ein sieben Schritte Verfahren zum Erstellen von Facettenklassifikationen, basierend auf der Arbeit von  B.C. Vickery (1960) und Louise Spiteri (1998). Wir beginnen jedoch damit, uns einige vorhandene Facettenklassifikationen anzusehen, um zu sehen, wie sie gestaltet sind, und welche Ideen sie für das Herstellen von neuen Klassifikationen bieten.

2.1. Beispielhafte Facettenklassifikationen

Lassen Sie uns zuerst zwei der drei bekanntesten facettierten Universalklassifikationssysteme ansehen: die Doppelpunkt-Klassifikation (Colon Classification) und die zweite Auflage der Bliss Bibliographic Classification (BC2). S.R Ranganathans Doppelpunkt-Klassifikation hat fünf Facetten, die schon Klassiker sind (sehen Sie bei Ranganathan (1962) nach, unter seinen vielen Büchern, für eine Einführung in Facetten, und wie man sie verwenden kann):

  • Persönlichkeit (das betreffende Etwas, z.B. eine Person oder Ereignis in einer Klassifizierung der Geschichte oder einem Tier in einer Klassifizierung der Zoologie)
  • Materie (aus was etwas gemacht ist)
  • Energie (wie sich etwas ändert, verarbeitet ist, entsteht)
  • Raum (wo etwas ist)
  • Zeit (wann etwas geschieht)

Diese fünf, bekannt als PMEST [Personality, Matter, Energy, Space, Time], können für Sie ausreichend sein. Wenn Sie mehr brauchen, suchen Sie bei BC2 nach Ideen (Broughton 2001, 79):

  • Ding/Entität
  • Art
  • Teil
  • Eigenschaft
  • Material
  • Prozess
  • Betrieb
  • Patient
  • Produkt
  • Nebenprodukt
  • Agent
  • Raum 
  • Zeit

Vanda Broughton, eine der Herausgeber von BC2 sagte, „diese fundamentalen dreizehn Kategorien wurden für die Analyse von Vokabular in fast allen Bereichen des Wissens als ausreichend erkannt. Es ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, dass andere allgemeine Kategorien existieren; es ist sicher der Fall, dass es bereichspezifische Kategorien gibt, wie jene von Form und Genre im Bereich der Literatur“ (2001, 79-80). BC2 ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um zu überlegen, wie man eine Facettenklassifikation machen kann. Die BC2 Facetten können umbenannt und bearbeitet werden, um besonderen Umständen zu genügen.

Vickery, ein Mitglied der Klassifikationsforschungsgruppe, hatte andere allgemeine Vorschläge:

„Wie bei diesen [allgemeinen Kategorien], können in jeder wissenschaftlichen Klassifikation mehrere Begriffe auf mehrere Punkte in der Kombinationsformel anwendbar sein. Zum Beispiel, kann jede Eigenschaft oder Prozess eine allgemeine Eigenschaft haben: Rate, Variation, und so weiter. Es gibt allgemeine Anwendungen auf Eigenschaften (z.B. das Messen) und auf Prozesse (z.B. Einleitung, Kontrolle). Es gibt auch mehrere Anwendungen den Apparat betreffend (Ausrüstung, Instrumente), wie Design und Wartung. Letztlich gibt es mehrere allgemeine logische oder geistige Operationen: Vergleich, Erklärung und so weiter. [Vickery zitiert dann andere Sätze von grundsätzlichen Kategorien, wie Shera und Egan] Agent, Tat, Werkzeuge, Gegenstand einer Handlung, der Zeit, des Raums, und des Produktes. Barbara Kyle hat von natürlichen Phänomenen, Artefakten, Tätigkeiten, und »Absichten, Zielen, Ideen, und Auszügen« geschrieben. De Grolier schlägt die »konstanten Kategorien« Zeit, Raum, und Handlung, sowie die »Variablen«, Substanz, Organ, analytisch, synthetisch, Eigentums, Form und Organisation vor. (1960, 23-24)“

Je kleiner der Wirkungsbereich, desto spezifischer und detaillierter können Facetten werden. Es macht wenig Sinn, sich mit den Komplikationen zu beschäftigen, die damit verbunden sind, die Welt des Wissens zu organisieren. Das System kann so präzise wie nötig sein, um seinen Zweck zu erfüllen. Hier folgen einige Beispiele kleinerer Klassifikationen, beginnend mit dem Art & Architecture Thesaurus (Petersen 1994, 26), der eigentlich kein Klassifikations- schema ist, sondern vielmehr facettiert ist. Beachten Sie, inwiefern einige Klassifikationen auf Ranganathans Persönlichkeit, Materie, Energie, Raum und Zeit basieren.

  • Assoziierte Konzepte (z.B. Philosophie)
  • Physische Eigenschaften (z.B. Dichte)
  • Stile und Perioden (z.B. Simulationist) (ähnlich Raum und Zeit)
  • Agenten (Leute/Organisationen) (z.B. Leuchtturm-Wächter)
  • Tätigkeiten (z.B. das Denken) (ähnlich der Energie)
  • Materialien (z.B. Sperrholz) (ähnlich der Materie)
  • Gegenstände (z.B. Etagenbetten) (ähnlich der Persönlichkeit)

Epicurious ist eine Website zum Thema Kochen, und organisiert Rezepte auf folgende Weise:

  • Kochkunst, d.h. ethnischer Ursprung (z.B. Indisch) (ähnlich dem Raum)
  • Besondere Betrachtung (z.B. fettarm)
  • Mahlzeit/Gang (z.B. Suppen)
  • Hauptzutaten (z.B. Kartoffeln) (ähnlich der Materie)
  • Vorbereitung (z.B. Grill) (ähnlich der Energie)
  • Jahreszeit/Gelegenheit (z.B. der Valentinstag) (ähnlich der Zeit)

Vickery (1975, 189-192) beschreibt ein Klassifikationsschema für Behälter:

  • Produkte (z.B. Marmelade)
  • Teile (z.B. Ventile)
  • Materialien (z.B. Kork)
  • Bearbeitung (z.B. Werkzeug)
  • Verschiedene allgemeine Unterteilungen (z.B. Forschung, Information, Sicherheit)

Es wird Zeiten geben, wenn vier oder fünf Facetten nicht genug sind. Die Boden-Klassifikation von Vickery (1960, 20-21) brauchte achtzehn:

  • Boden, gemäß der Zusammensetzung (z.B. Torf-Boden)
  • Boden, gemäß dem Ursprung (granitartiger Boden)
  • Boden, gemäß der Physiographie (Wüstenboden)
  • Boden, gemäß der Textur (sandiger Ton)
  • Boden, gemäß dem Klima (arktischer Boden)
  • Physischer Teil des Bodens (Kies)
  • Chemischer Bestandteil des Bodens (Stickstoff)
  • Struktur des Bodens (Profil)
  • Schicht des Bodens (Sohle)
  • Organismen im Boden (Bakterien)
  • Elternmaterial des Bodens (Dreck)
  • Prozess im Boden (Mineralisation)
  • Eigenschaft des Bodens (Kohäsion)
  • Maß der Eigenschaft (sticky point)
  • Anwendungen am Boden (Nachbesserung)
  • Ausrüstung für Anwendungen (Pflug)
  • Substanzen verwendet bei der Anwendung (Kalk)
  • Handlungen an diesen Substanzen (Positionierung)

Die Internationale Sematech Halbleiter-Dienstleistungsgruppe, Teil eines internationalen Konsortiums von Halbleiterherstellern, verwendet sehr spezifische Kategorien, die für die meisten Menschen außerhalb dieses Feldes (Internationaler Sematech 2003) keinen Sinn machen werden. Diese Kategorien scheinen eine Mischung aus speziellen Materie-, Raum-, und Energie-Facetten zu sein, aber es werden keine Definitionen gegebenen, weshalb es schwierig einzuschätzen ist. Bei einer kleinen oder erfahrenen Anzahl von Benutzern besteht eine große Freiheit, präzise und knapp zu sein:

  • Wafer Size (z.B. 200 mm)
  • Application (etch)
  • Feature Type (via/contact)
  • Feature Size (0.22 m)
  • Dielectrics (oxide)
  • Fills (tungsten)
  • Electrical Test (BTS)

Lillian Vernon Online bietet einen Geschenkfinder auf der Website an, bei dem die Benutzer die Auswahl an möglichen Geschenken einschränken können, indem sie aus vier Facetten auswählen. Abhängig von den Suchbeschränkungen wird einiges aus einer Auswahl an Produkten für das Reisen, das Badezimmer, Schlafzimmer, Küche, Garten, oder das Büro aufgelistet.

  • Geschenkempfänger (z.B. sie)
  • Ihr Interesse (Unterhaltendes)
  • Gelegenheit (Geburtstag)
  • Preisklasse ($25-$50)

Die Seite bietet noch zwei weitere Optionen: man lässt den Benutzer die Ergebnisse auf Geschenke einengen die personifiziert werden können; die andere Option steuert die Sortierung der Ergebnisse: nach Produktname oder nach zunehmenden oder absteigenden Kosten. Jede kommerzielle Klassifikation wird eine Kosten- oder Preisfacette brauchen.

2.2. Spiteris vereinfachtes Modell zur Facettenanalyse

Louise Spiteri (1998) analysierte die komplizierten Regelwerke, in welchen Ranganathan und die Klassifikationsforschungsgruppe festgelegt hatten, wie man facettierte Klassifikationssysteme macht, und erstellte ihr eigenes, einfacheres Regelwerk. Sie tat dies in erster Linie, um ein Werkzeug für Bibliotheks- und Informationswissenschaftsstudenten zu haben, bemerkt aber, dass „das Modell von Designern von Facettenklassifikationssystemen und IR [Information Retrieval] Thesauren verwendet werden konnte, weil jene Designer auch eine Vielfalt von Quellen befragen müssten, um die für ihre Arbeit erforderlichen Grundsätze der Facettenanalyse erhalten zu können“ (1998, 4). Die Grundsätze von Spiteri sind gezielt und umfassend und werden das Rückgrat des unten dargelegten Verfahrens bilden.

Spiteri folgt Ranganathan und teilt Klassifikation in drei Teile: „die Idee-Ebene, die den Prozess beinhaltet, ein betrachtetes Feld in seinen Bestandteilen zu analysieren; die Verbale Ebene, die den Prozess beinhaltet, passende Begriffe zu wählen, um die Bestandteile auszudrücken; und die Notationsebene, die das Verfahren einschließt, diese Bestandteile mittels einer Notation auszudrücken“ (1998, 5). Von der Idee- (die Spiteri in zwei Teile teilt) über die Verbale Ebene zur Notationsebene zu gehen bringt uns von der Idee zum Wort bis zur Zahl, vom Allgemeinen Konzept zur Beschreibung durch ein kontrolliertes Vokabular bis zur Umwandlung dieser Begriffe in Notation. Der letzte Schritt der Notations-Ebene wird – aufgrund dessen, wie das Web arbeitet – für uns weniger wichtig als die anderen Schritte sein.

Hier sind die Grundsätze von Spiteris Modell, um Facettenklassifikation zu erstellen:

Idee-Ebene: Grundsätze für die Wahl von Facetten

a) Unterscheidung: „um eine Entität in ihre Bestandteile zu zerlegen, ist es wichtig, Unterscheidungsmerkmale zu verwenden (d.h. Facetten), die sich deutlich innerhalb der Bestandteile unterscheiden“ (Spiteri 1998, 5). Zum Beispiel, Menschen nach Geschlecht einzuteilen.

b) Relevanz: „bei der Wahl der Facetten, die die zu betrachtenden Dinge einteilen sollen, ist es wichtig sicherzustellen, dass die Facetten Zweck, Thema, und Umfang des Klassifikationssystems widerspiegeln“ (1998, 6)

c) Bestimmbarkeit: „es ist wichtig Facetten zu wählen, die definiert sind und nachgeprüft werden können“ (1998, 6)

d) Dauerhaftigkeit: Facetten sollten „dauerhafte Eigenschaften der zu teilenden Entität darstellen“ (1998, 18)

e) Homogenität: „Facetten müssen homogen sein“ (1998, 18)

f) Gegenseitiges Ausschließen: Facetten müssen „gegenseitig ausschließend sein“, „jede Facette muss ein einziges Unterscheidungsmerkmal vertreten“ (1998, 18)

g) Fundamentale Kategorien: „es gibt keine allen Themen zugrundeliegenden Kategorien, und ... Kategorien sollten auf der Natur des zu klassifizierenden Subjekts beruhen“ (1998, 18-19)

Idee-Ebene: Grundsätze für die Zitierreihenfolge von Facetten und Fokussen

a) Relevante Abfolge: „die Zitierreihenfolge der Facetten [und Fokusse] sollte für Natur, Thema, und Umfang des Klassifikationssystems relevant sein“ (1998, 21-22). Vorschläge: zeitliche Reihenfolge, alphabetische Reihenfolge, räumliche oder geometrische Ordnung, vom Einfachen zum Komplexen, vom Komplexen zum Einfachen, kanonisch, zunehmende oder abnehmende Menge.

b) Konsistente Folge: „sobald eine Zitierreihenfolge von Facetten für ein Klassifikationssystem etabliert worden ist, sollte sie nicht modifiziert werden solange es keine Änderung im Zweck, Thema, oder Umfang des Systems gibt“ (1998, 7-8). Wir werden dies ignorieren, wenn wir den Facetten erlauben, umsortiert zu werden.

Verbale Ebene

a) Zusammenhang: „die Bedeutung eines einzelnen Begriffes bestimmt dessen Kontext der auf seiner Position im Klassifikationssystem beruht“ (1998, 11). Zum Beispiel können London, Ontario, und London, England, zusammenhanglos als „London“ identifiziert werden, und welches gemeint ist, kann dadurch erkannt werden, ob der Teil der Klassifikation für Städte in Ontario oder England gilt.

b) Aktualität: „die in einem Klassifikationssystem verwendete Fachsprache sollte den gegenwärtigen Gebrauch im betrachteten Gebiet widerspiegeln“ (1998, 11). Das bedeutet, dass das System regelmäßige Aufmerksamkeit und Durchsicht erfordern wird.

Notationsebene

a) Synonym: „jedes Subjekt kann nur durch eine einzige Klassen-Nummer dargestellt werden“ (1998, 12)


b) Homonym: „jede Klassen-Nummer kann nur ein einziges Subjekt darstellen“ (1998, 12)

c) Gastfreundschaft: „Die Notation sollte das Hinzufügen neuer Subjekte, Facetten und Fokusse, ins Klassifikationssystem jeder Zeit erlauben“ (1998, 20)

d) Ablage Reihenfolge: „ein Notationssystem sollte die Ablageordnung von Subjekten widerspiegeln. Dieser Typ der Notation würde die Zitierreihenfolge widerspiegeln, die dem Klassifikationssystem unterliegt“ (1998, 20)

2.3. Bilden der Facettenklassifikation

Vickery hatte vier Schritte, um ein facettiertes Klassifikationsschema zu erstellen: erstens „die Essenz der Facettenanalyse ist das Sortieren von Begriffen in einem gegebenen Feld von Kenntnissen in homogene, gegenseitig exklusive Facetten, jede vom elterlichen Universum durch eine einzige charakteristische Unterteilung abstammend“ (1960, 12). Dem folgen die drei Schritte: „(i) eine Reihenfolge bestimmen, in der die Facetten benutzt werden um zusammengesetzte Schlagwortrubriken zu konstruieren, (ii) eine Notation anwenden, die eine völlig flexible Kombination von Begriffen erlaubt, die erforderlich ist, und die die Dinge in eine bevorzugte Ablagereihenfolge bringt, und (iii), den facettierten Plan auf solche Art und Weise zu verwenden, dass sowohl spezifische Verweise als auch der erforderliche Grad allgemeinen Überblicks möglich sind“ (1960, 13). Mein Verfahren, um ein Facetten-klassifikationssystem zu machen, ordnet die Schritte von Vickery um, und trägt zum Anfang und Schluss etwas bei, um es von Vorne bis Hinten zu komplettieren.

1. Sammlung. Sammeln Sie eine repräsentative Stichprobe der Entitäten. Ist der Bereich groß, nehmen Sie genug, um alle vorhergesehenen Möglichkeiten abzudecken. Verwenden Sie in einem kleinen Gebiet den ganzen Bereich.

2. Die Entitätsauflistung. Verzeichnen Sie Entitäten, indem sie Beschreibungen in Teile brechen und Wörter umordnen. Trennen Sie Sätze und Ausdrücke in ihre grundlegenden Konzepte und isolieren Sie diese Konzepte.

3. Facettenentwicklung. Untersuchen Sie die resultierenden Begriffe und beachten Sie, welche allgemeinen Kategorien auf höchster Ebene über alle Entitäten hinweg auftauchen. Studieren Sie diese und reduzieren Sie sie zu einer Gruppe sich gegenseitig ausschließender und gemeinsam ergänzender Facetten, in der alle Begriffe vom vorherigen Schritt passen. Das ist die Idee-Ebene, gebrauchen Sie als Richtlinien die Grundsätze für die Wahl von Facetten. Verwenden Sie die Doppelpunkt-Klassifikation und BC2's Facetten als Startpunkte, und bedienen Sie sich zur Inspiration aus anderen Klassifikationen.

Wie Foskett (2003, 1064) es ausdrückte:

„Beim Anwenden der Facettenanalyse auf ein Thema ist der erste Schritt, eine repräsentative Stichprobe der Literatur zu untersuchen und das Thema jedes Artikels, Buches, oder Auszugs aufzuzählen. Es wird bald klar, dass die Begriffe gemäß ihrer Beziehung zum Thema und zueinander gruppiert werden können, dass sie, tatsächlich, die verschiedenen Aspekte des Themas darstellen, von denen jeder gesondert von den anderen, zumindest konzeptionell, studiert werden kann, wenn es auch in der Praxis unmöglich sein kann, sie in Gruppen von statischen Einheiten, abgesondert von den Phänomenen in denen sie beobachtet werden, zu trennen.“

Broughton (2001, 79) sagt zum Durchführen dieses Schritts mit BC2's Kategorien:

„Die kategorische Analyse kann auf einer funktionalen Basis betrachtet werden, wobei es zwei verschiedene Typen von Funktionalität gibt: sprachliche Funktion und gebräuchliche Funktion. Hauptsächlich stellen die Kategorien einen »Produktionsprozess« dar, und sind für die Analyse und Organisation von Begriffen in der Technologie besonders passend (wo sie ursprünglich entwickelt wurden). Bei der Analyse eines gegebenen Feldes kann man fragen, was getan (oder erzeugt) wird, was seine Teile und Eigenschaften sind, wie das erreicht wird, durch welche Mittel und von wem, wo und wann.“

Erinnern Sie sich an den Zweck der Klassifikation und ihre Benutzer. Wer wird sie verwenden? Warum? Werden sie sie durchsuchen, durchstöbern, oder beides? Wie gut kennen sie das Thema? Bedenken Sie immer, dass die Klassifikation von Benutzern verwendet werden soll.

4. Facetten-Arrangement. Ordnen Sie zuerst testweise alle Begriffe (jetzt als „Fokusse“, oder einzeln, als „Fokus“ bekannt) den Facetten zu. Verwenden Sie die Grundsätze für die Zitierreihenfolge von Facetten und Fokussen als Richtlinie. Möglich, dass Sie einige marginale Begriffe haben, die nirgends richtig Platz gefunden haben – wir werden dieses Problem später diskutieren. Wenn die Fokusse dargelegt worden sind, machen Sie eine Testklassifikation, und stellen Sie sicher, dass alle ursprünglichen Entitäten beschrieben werden können, indem Fokusse aus Facetten herausgepickt werden können. Wenn etwas nicht bedacht wurde, gehen Sie zurück und analysieren oder ordnen Sie die Begriffe neu.

Zweitens, nachdem sich die grobe Klassifikation als brauchbar gezeigt hat, erstellen Sie die finale Facettenordnung, indem Sie die Grundsätze für die Zitierreihenfolge von Facetten und Fokussen verwenden. An diesem Punkt arbeiten Sie sowohl auf Idee-Ebene als auch auf Verbaler Ebene, beachten Sie die entsprechenden Regeln. Kwasnick (1999, 39-40) sagt von dieser Stufe „jede Facette kann, ihre eigene Logik und Befugnis und ihre eigene klassifikatorische Struktur verwendend, entwickelt/ausgebreitet werden. Zum Beispiel, [im Kunst- und Architektur Thesaurus] kann die Periode-Facette als eine Zeitachse entwickelt werden; die Material-Facette kann eine Hierarchie sein; die Ort-Facette teilweise oder ganz ein Baum, und so weiter.“ Es steht Ihnen frei zu verwenden, was auch immer am besten ist.

Jetzt müssen Sie sich für ein kontrolliertes Vokabular entscheiden, falls Sie nicht bereits natürlicherweise eines benutzt haben. Fokusse sind offizielle Wörter und Ausdrücke, die immer für die Konzepte oder Dinge, die sie vertreten, verwendet werden. Andere Begriffe müssen in vorhandene Fokusse übersetzt werden. Zum Beispiel, wenn Sie Dosengemüse klassifizieren, ist jetzt die Zeit, wo Sie zwischen chick peas und garbanzo beans wählen. Solche Autorität und Vokabularkontrolle ist ein kompliziertes Feld und ist außerhalb des Umfangs dieser Veröffentlichung, aber wie auch immer Sie es behandeln, Benutzer und andere Klassifizierer müssen von ihren eigenen Worten zu Ihrer gewählten Fachsprache geführt werden. Ohne dies wird das System für niemanden außer Ihnen funktionieren.

5. Zitierreihenfolge. Das ist die Notationelle Ebene. Kwasnick (1999, 40), sagt, „Beim Organisieren der klassifizierten Gegenstände wählen Sie eine primäre Facette, die das Hauptattribut und eine Zitierreihenfolge für die anderen Facetten bestimmen wird. Dieser Schritt ist nicht erforderlich und gilt nur in jenen Situationen, wo eine physische (aber nicht eine rein intellektuelle) Organisation gewünscht wird.“ Sie meint zum Beispiel Bibliotheksregale oder gedruckte Bibliografien. Im Web können wir die Ordnung so veränderbar wie nötig machen, so wie wir es haben wollen. Entscheiden Sie sich jedoch für eine standardisierte Zitierreihenfolge, welche die Weise zugrunde legt, wie Dinge innerhalb der Webseite angeordnet werden. Diese sollte für alle Benutzer einsichtig, verständlich, und nützlich sein. Erfahrene oder neugierige Benutzer können die Reihenfolge umordnen, wenn sie es wünschen und wenn es ihnen gestattet ist, aber die meisten Menschen werden die angebotene Grundansicht verwenden.

6. Klassifikation. Das Klassifikationssystem ist nun fertig. Verwenden Sie es, um alles im gegebenen Bereich zu klassifizieren. Analysieren Sie die Entitäten, die die Facetten verwenden, und wenden Sie die richtigen Fokusse an, um jede Entität zu beschreiben.

7. Durchsehen, Prüfen und Warten. Wenn es irgendwelche Probleme in Schritt 6 gab, gehen sie soviel Schritte zurück wie notwendig, um das Problem zu lösen. Vielleicht finden Sie, dass die Einordnung von Fokussen in einer Facette geändert werden muss, oder dass einige Fokusse fehlen, oder dass sogar Ihre Wahl von Facetten ungenau oder falsch ist. Gehen Sie durch die Schritte zurück, bis Sie im Stande sind, alles zu Ihrer Zufriedenheit zu klassifizieren. Testen Sie es mit Benutzern (wie man dies macht, ist leider außerhalb des Umfangs dieser Arbeit), und nehmen Sie notwendige Änderungen vor. Bereiten Sie sich schließlich vor, die Klassifikation regelmäßig zu warten: aktualisieren Sie die Fachsprache wenn sie sich ändert; stellen Sie sicher, dass alle neuen Entitäten klar und genau klassifiziert werden können; und stellen Sie sicher, dass Facetten und Fokusse ausreichen, um das Gebiet zu handhaben, wenn es sich mit der Zeit ändert. Sie werden Fokusse hinzufügen oder umordnen müssen, eine neue Facette hinzunehmen, oder eines Tages sogar eine ganz neue Klassifikation machen müssen.

2.4. Das Klassifizieren von Geschirrspülmitteln

Jetzt werden wir die oben genannten sieben Regeln auf das Gebiet von Geschirrspülmitteln so anwenden, wie unter 1.3 beschrieben wurde. Schritt 1, Bereichssammlung, wurde erledigt. Schritt 2, die Entitätsauflistung, wurde auch erledigt: die Produktnamen wurden bereits in enthaltene Konzepte wie Markenname, Produktname, Geruch usw. aufgeteilt. Das macht Schritt 3, Facettenentwicklung, leichter.

Mit der Facettenentwicklung wollen wir beginnen, indem wir nachsehen, welche allgemeinen, high level Kategorien über alle Entitäten hinweg erscheinen. Einige fallen auf: Markenname (Ivory, Palmolive, Cascade); Form (Spülflüssigkeit, Spülpulver, Handwaschmittel); Geruch (Zitrone, Ozeanbrise). Die Klassifikation ist für Einkäufer gedacht, also ist der Markenname der richtige Name für diese Facette, wenn aber die Klassifikation für Lagerhaltung gedacht wäre, würden wir Hersteller oder Verteiler verzeichnen wollen. Ist die Form Kategorie brauchbar? Bei näherer Überprüfung können wir sehen, dass sie den Grundsatz der Gleichartigkeit verletzt. Es gibt hierbei tatsächlich zwei Dinge: die physische Form des Spülmittels (Flüssigkeit, Gel, Pulver), und wie die Reinigung erfolgt (maschinell oder von Hand). Lassen Sie uns die erste Kategorie Form, und die zweite (nach BC2) Benutzer nennen. Letztendlich verbirgt sich natürlich eine Person hinter der Reinigung, aber Benutzer wird bedeuten, wie die Reinigung durchgeführt wird - durch die Maschine oder von Hand.

Markenname, Form, Benutzer und Geruch passen auf fast alle Wörter und Ausdrücke in der Entitätsauflistung, aber das antibakterielle Sunlight und die Aromatherapie-Produkte bleiben uns noch. Die antibakterielle Eigenschaft passt zu keiner der Kategorien, die wir bereits erstellt haben, und unterscheidet sich ziemlich von ihnen, deshalb wird es eine eigene benötigen. Wir werden keine Ja/Nein antibakterielle Kategorie verwenden, weil Facetten mehr als Ein/Aus-Schalter sein sollten. Die Eigenschaft bezieht sich vielleicht mehr auf das Kaffee-Fleck-Bekämpfen eines Reinigungsmittels, oder auf etwas, das weiße Teller weißer macht. Spezielle Reinigungseigenschaft? Die gesamte Klassifikation behandelt die Reinigung. Besondere Eigenschaft? Das ist ein bisschen ungeschickt, aber das wird’s tun. Bezüglich der Aromatherapie-Reinigungsmittel können wir sehen, dass sich diese Eigenschaft von allen anderen unterscheidet, weil es den Nutzer des Reinigungsmittels, und nicht das Geschirr, betrifft (das behauptet es zumindest). Das ist der Zugabe von Hautlotion ähnlich, um zu verhindern, dass Haut aufspringt. Das passt in keine der allgemeinen BC2 Kategorien, aber die Facette „Einfluss auf den Benutzer“ würde es handhaben können - aber nur, wenn der Benutzer eine Person ist. Und wenn das Reinigungsmittel zur Langlebigkeit einer Spülmaschine beiträgt? Das ist grundsätzlich dieselbe Idee, also ist „Wirkung auf Agent“ eine bessere Bezeichnung.

Gehorchen diese Facetten den Grundsätzen von Spiteri? Der Grundsatz der Unterscheidung hält stand: die Facetten werden eindeutige Unterscheidungen der verschiedenen Aspekte der Entitäten möglich machen. Der Grundsatz der Relevanz hält stand: dies sind alles wichtige Dinge, die man wissen sollte, wenn man ein Reinigungsmittel kauft. Der Grundsatz der Bestimmbarkeit hält stand: wir können alles was wir gerade brauchen erfahren, indem wir das Etikett lesen. Der Grundsatz der Dauerhaftigkeit hält stand: die Reinigungsmittel werden sich von selbst nicht von Flüssigkeit zu Pulver verwandeln, noch wird ein Obstgarten- frischer Geruch sich in den berauschenden Geruch von Ylang Ylang verwandeln. Der Grundsatz der Gleichartigkeit hält stand, ebenso wie der Grundsatz der Gegenseitigen Exklusivität. Schließlich hält auch der Grundsatz der Grundsätzlichen Kategorien: wir haben die Facetten (alle die möglich waren, zumindest) nach Art und Zweck der Reinigungsmittel abgeleitet. Die Grundsätze von Spiteri werden alle erfüllt.

Dennoch können die Facetten angezweifelt werden. Man kann beispielsweise argumentieren, dass Geruch tatsächlich ein Effekt ist, der auf die ultimative Komponente, den Mensch, der das Geschirr spült oder die Maschine laufen lässt, wirkt. Philosophen würden sagen, dass die Form des Reinigungsmittels eine primäre Qualität ist, untrennbar vom Gegenstand, Geruch hingegen eine sekundäre Qualität, in der Person entstanden die ihn riecht. Den Fokus auf Geruch gerichtet: was genau ist „Ozeanbrise“ und „Obstgarten frisch“? Wie riechen rubinrote Grapefruits anders als andere Grapefruits? Aber so sind die gebrauchten Bezeichnungen, daher werden wir mit ihnen arbeiten, egal wie lächerlich sie auch sind. Ebenso sollten die Aromatherapie-Reinigungsmittel mit Geruch in eine übergreifende Facette zusammengelegt werden, da sie sich alle auf einen Effekt beim Menschen beziehen der das Produkt verwendet. Oder vielleicht auch nicht. Unsere Facetten scheinen schon passend für die Bedürfnisse der Klassifikation, daher werden wir sie so lassen, wie sie sind.

Betrachten wir Stufe 4, Facetten-Anordnung, so haben wir Markennamen, Form, Benutzer, Wirkung, Geruch, und Spezielle Eigenschaft. Jetzt müssen wir die Fokusse jenen Kategorien zuordnen.

Markenname: Cascade, Electrasol, Ivory, No Name, Palmolive, President's Choice, Sunlight

Form: Gel, Gelpac, Flüssigkeit, Pulver, Tablette

Benutzer: Spülmaschine, Person

Wirkung auf Agent: Aromatherapie (mit Unterteilungen oder Subfokussen: belebend, entspannend)


Geruch: grüner Apfel, Lavendel und Ylang Ylang, Zitrone, Mandarine und grüner Tee, Ozeanbrise, Orangenblüte, Obstgarten frisch, Passionsblume, rubinrote Grapefruit

Spezielle Eigenschaft: antibakteriell

Eine Kontrolle wird zeigen, dass alle Reinigungsmittel mit diesen Facetten und Fokussen klassifiziert werden können. Das Ordnen der Fokusse ist in alphabetischer Reihenfolge am einfachsten und am passendsten, weil es keine andere vernünftige Weise gibt sie zu ordnen (nationaler Ursprung des Herstellers, zum Beispiel, oder die botanischen Klassifikation der Quelle des Geruchs), der unseren Benutzern, den Einkäufern, helfen würde. Dies folgt dem Grundsatz der Relevanten Folge. Der einzige ungewöhnliche Fall sind hier die zwei Arten der Aromatherapie in Wirkung auf den Agenten. Ich habe hier den Fokus Aroma-Therapie in zwei Subfokusse, belebend und entspannend, unterteilt. Beim Geruch werden wir die kombinierten Gerüche („Lavendel und Ylang Ylang“) in ihre Bestandteile zerlegen, und sie dann später wieder zusammenfügen müssen, wenn die Entitäten klassifiziert worden sind. Es ist für zwei Fokusse in derselben Facette vollkommen legal, sich auf eine Entität zu beziehen. Wenn mehrere gelten, können sie individuell behandelt, oder, wenn es viele gibt, auch zusammen in eine größere Klasse gruppiert werden. Wir könnten „Mandarine“ und „Orangenblüte“ irgendwie zusammen unter „Orangen“ gruppieren, aber der Einfachheit halber werden wir sie lassen, wie sie sind.

Schritt 5 ist die Begriffsreihenfolge. Ist die obige Reihenfolge (Markenname, Form, Benutzer, Wirkung auf Benutzer, Geruch, Spezielle Eigenschaft) zufriedenstellend? Wir werden den Grundsatz der Relevanten Reihenfolge dieses Mal auf die Facetten wiederholt anwenden. Wenn Leute nach einem Reinigungsmittel suchen, denken sie zunächst daran, welcher Benutzer die Reinigung durchführen wird (eine Person oder eine Spülmaschine), und welche Form gebraucht wird. Danach schauen sie wahrscheinlich nach einem Markennamen, weil sie eine Lieblingsmarke haben und sie dabei bleiben wollen. Danach ist Geruch wahrscheinlich die am nächsten interessante Facette, und dann können Wirkung auf Agent und Spezielle Eigenschaft folgen. Das wird die bevorzugte Zitierreihenfolge sein, aber wenn alles ins Netz geht, können wir Nutzer die Facetten nach ihrer Neigung umsortieren lassen. (Das wird Benutzern erlauben, durch die Klassifikation zu navigieren und zu stöbern, entsprechend dem Scannen von Einkaufsregalen. Die meisten Einkäufer werden dasselbe Reinigungsmittel nehmen, welches sie immer kaufen, was der Known-Item Search entspricht.)

Hier ist die endgültige Form des Klassifikationsschemas:

Benutzer: Spülmaschine, Person

Form: Gel, Gelpac, Flüssigkeit, Pulver, Tablette

Markenname: Cascade, Electrasol, Ivory, namenlos, Palmolive, President's Choice, Sunlight

Geruch: grüner Apfel, grüner Tee, Lavendel, Zitrone, Mandarine, Ozeanbrise, Orangenblüte, obstgartenfrisch, Passionsblume, rubinrote Grapefruit, Ylang Ylang

Wirkung auf Agent: Aromatherapie (Unterabteilungen: belebend, entspannend)

Spezielle Eigenschaft: antibakteriell

Schritt 6 ist die Klassifikation. Zum Beispiel, würde „President's Choice antibakterielle Handseife und Spülmittel“ folgendes sein:  

Benutzer: Person

Form: Flüssigkeit

Markenname: President's Choice

Geruch: (keiner)

Wirkung auf Agent: (keine)

Spezielle Eigenschaft: antibakteriell 

„Palmolive Aroma Therapie, Lavendel und Ylang Ylang“ wäre:

Benutzer: Person

Form: Flüssigkeit

Markenname: Palmolive

Geruch: Lavendel, Ylang Ylang

Wirkung auf Agent: Aromatherapie

Besondere Eigenschaft: (keine) 

Wir werden Schritt 7, Durchsicht, Test, und Wartung auslassen, da wir keine Benutzer haben, um sie zu befragen.  
 

2.5 Randthemen und die Erweiterung der Klassifikation

Irgendwann wird jede kontrollierte Klassifikation etwas behandeln müssen, was nicht wirklich passt. Vickery (1960, 16-19) bietet einige Wege an, mit dieser Situationen umzugehen. Wenn einige ungewöhnliche aber verwandte Begriffe erscheinen, ist eine Lösung, sich auf eine andere Klassifikation zu stützen, die sie vollständig behandelt. Vickerys Beispiel der Boden-Klassifikation schließt chemische Substanzen ein. Einige werden in der Klassifikation verzeichnet, aber andere können, wenn erforderlich, einen „anderen“ Fokus so unterteilen, wie sie in einer anderen Klassifikation gehandhabt werden. „Andere“ ist immer ein günstiger Platz, irgendetwas unterzubringen, was kein richtiges Zuhause hat, es ist allerdings kein Ort, an dem Dinge leicht zu finden sind.

Wenn die Unstimmigkeit gravierender ist, als nur ein oder zwei fehlende Begriffe, kann die Entität als etwas klassifiziert werden, das verwandt ist, selbst wenn die Beziehung dürftig ist und nur in der Weise besteht wie Nutzer Dinge assoziieren. Vickerys Beispiel handelt von einer Versicherungsklassifikation, wobei ein Buch über die Textilindustrie als „Feuerversicherung: Textilindustrie“ abgelegt wird. Wenn auch das Buch selbst nicht von Versicherungen handelt, ist Feuerversicherung der Grund, warum Benutzer über die Textilindustrie lesen.

In unserem Geschirrreiniger-Beispiel wären als eine potenzielle Randentität Produkte denkbar, die Streifen auf Gläsern verhindern. Manchmal wird dies ein Bestandteil des Reinigungsmittels sein, in welchem Fall wir es unter Spezielle Eigenschaft einordnen würden. Ein eigenständiges Antistreifenmittel würde in unsere Klassifikation passen, wenn wir die Tatsache ignorieren, dass es kein Geschirrreiniger ist und den Antistreifenaspekt in einer Notiz oder Anmerkung isolieren. Wenn zwei solche Produkte auf dieselbe Weise behandelt würden, würde es keinen Weg geben, ihre gemeinsame Eigenschaft zu verbinden. In diesem Fall müssten wir über das Hinzufügen einer neuen Facette nachdenken.

Wenn zu viele Dinge unter „Andere“ abgelegt werden, oder wichtige Aspekte ihrer Art ignoriert werden müssen, überprüfen Sie nochmals die Klassifikation und schauen Sie, ob eine Neuordnung oder eine neue Facette benötigt wird. Folgen Sie den obigen Regeln, um zu sehen, was die Facette sein sollte. Wenn die Änderung erfolgt ist, sollten nach einer Wiederklassifizierung alle Randentitäten ein neues Zuhause finden und leicht auffindbar sein. Im Geschirrreiniger-Beispiel wäre es, wegen den Facetten die wir gewählt haben, leicht, die Klassifikation zu erweitern, um andere Reinigungsprodukte einzubringen. Die Klassifikation ist für Geschirrreiniger, und jedes jener Wortbestandteile könnte der Anfang einer neuen Facette sein: das „Geschirr“ ist der Gegenstand, der gereinigt wird, und ein „Reiniger“ ist in diesem Fall eine besondere Art Reinigungsmittel, chemisch verschieden von Bleichmittel, Ammoniak, oder Seife. (Es könnte tatsächlich sein, dass wir Seifen und Reinigungsmittel in unserer Betrachtung vermischen, ohne deren Unterschied zu berücksichtigen, aber für unsere Zwecke ist dies bedeutungslos). Würden wir zum Beispiel „Gegenstand“ und „Reinigungsmitteltyp“ als Facetten hinzufügen, könnten wir auch Haarshampoos und Teppichshampoos klassifizieren (die unter der Facette „Benutzer“ einen weiteren Fokus einführen würden: Teppichreinigungsmaschinen), ebenso wie Gesichtsseifen (mögliche neue Wirkung auf Agent: die Linderung von Akne), Lysol, Vim, Ajax, Comet, Windex, und jedes andere Reinigungsprodukt. Zwei weitere Facetten, die nicht viele Fokusse hätten, würden bedeuten, dass wir eine enorme Auswahl und Anzahl von neuen Einheiten behandeln könnten. Es wäre aber nicht das Ende unserer Probleme: schließlich würde es mehr Randentitäten geben, die zu berücksichtigen wären. Passt Mundwasser dazu? Möbelpolitur? Haarkuren? Produkte, die statisches Aufladen verhindern?

Fortsetzung des Artikels: Teil 2 von 2

WolfNoeding — 11.01.04 18:49